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Die Geschichte des Hauses aus der Sicht der Leiter/innen
© bildungshaus großrußbach aussenansicht

wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Im Jahr 2008 feierten wir "55 Jahre Bildungshaus Schloss Großrußbach" - eine bewegte Zeit für eines der ältesten Bildungshäuser Österreichs. Seit 1953 bieten wir Seminare in allen Bereichen der Erwachsenenbildung an.

1953-1964 , Dr. Martin Stur

© Archiv, Dr. Martin Stur
Dr. Martin Stur, 1. Direktor des Bildungshauses

Das Bildungshaus wurde in seinen Kinderschuhen geprägt durch Martin Stur. Seine Bildungskurse für Bauernburschen und –mädchen sind mit dem Beginn des Bildungshauses untrennbar verbunden. Bevor jedoch Kurse im Schloss Großrußbach stattfinden konnten, musste es umgebaut und für den Kursbetrieb adaptiert werden. Martin Stur hatte große Unterstützung durch Theresia Weiß, die ihm bei der Umsetzung seiner Bildungsideen half. Sein Bildungsschwerpunkt lag bei der Landbevölkerung, die es zu stärken galt. Das Bildungsangebot, das von Martin Stur ausging, basierte auf dem christlichen Glauben, der die Basis für ein erfülltes Leben auf dem Lande darstellte. Vor allem die Landjugend sollte für ein bäuerliches Leben vorbereitet und geschult werden. Neben den Bildungskursen fanden Gastkurse der Erzdiözese wie beispielsweise Exerzitien, Fortbildungen der Jungschar etc. statt. Während der ersten 10 Jahre seines Bestehens wurde das Bildungshaus Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Bildungshäuser Österreichs (vormals Arbeitsgemeinschaft der Volksbildungsheime Österreichs), deren Vorsitzender Dr. Martin Stur von 1955 bis 1958 war.

(Mag. Barbara Hubmayer/aus dem Archiv)

1964-1974 , + Prälat Bischofsvikar Franz Stubenvoll

© Archiv, Franz Stubenvoll
+ Prälat Bischofsvikar Franz Stubenvoll

Die pastorale Situation in der Kirche, die nach dem 1965 zu Ende gegangenen II. Vatikanischen Konzil in Bewegung geraten war, und auch die Beschlüsse der Wiener Diözesansynode ( 1969 bis 1971) steckten einen neuen Aufgabenrahmen für ein Katholisches Bildungsheim. Es war eine Zeit des Aufbruchs in der Laienschaft: Pfarrgemeinderäte wurden eingerichtet und sollten in ihre Aufgaben eingeführt werden; Kommunionspender und Wortgottesdienstleiter sollten für ihren liturgischen Dienst entsprechend geschult werden; die Männer– und Frauenbewegung sollte ihre Verantwortlichen ebenso zu Schulungen schicken können wie die Jugend. Vor allem waren wenige bereit, länger dauernde Kurse  zu besuchen. Wochenendkurse waren das Höchste, das möglich war, in vielen Fällen mussten Tageskurse genügen.
In der Zeit Stubenvolls wurde auch die Bezeichnung des Hauses geändert. Entsprach die Benennung  „Katholisches Volksbildungsheim“ dem Angebot mehrwöchiger internatsmäßiger Bildungskurse, so sollte die Bezeichnung „Katholisches Bildungshaus“ oder nur „Bildungshaus Großrußbach“ auf die neue Offenheit für alle Formen der Bildungsarbeit hinweisen und auf die Bereitschaft zum Dialog.
Sieht man Themenangebote dieser Zeit durch, so spiegelt sich darin ein weiteres Selbstverständnis des Bildungshauses: Ort der Begegnung, des Dialoges zu sein, an dem sich die Kirche in der Welt erfährt und reflektiert, ein „Schnittpunkt von Kirche und Welt, quasi eine Außenstelle der Kirche, wo die Welt kommuniziert wird“.

(Barbara Strobl/aus der Chronik)

1975-1981, Dir. Leopold Schwarzenberger

© privat, Leopold Schwarzenberger
Dir. Leopold Schwarzenberger

Als 24-jähriger Lehrer, engagiert in der Kath. Jugend Land im Vikariat Nord übernahm ich die Leitung des Bildungshauses.
Ein leeres Haus, außer dem Hausmeister kein Personal, keine zeitgemäße Ausstattung, keinerlei Vorgaben, aber eine zweifelnde innerkirchliche Umgebung begleiteten den Start. Wird es gelingen,  dem Bildungshaus neues Leben einzuhauchen? Die Zeit des bäuerlichen Volksbildungsheimes unter Dr. Stur war längst vorbei und eine Neuorientierung unter Prälat Stubenvoll nicht wirklich erfolgreich. Der Bruch mit der Vergangenheit war für manche schmerzhaft, durchaus nicht konfliktfrei, aber erfolgreich. Der Erfolg ist all jenen zu verdanken, die damals unerschütterlich an die Notwendigkeit einer modernen und offenen katholischen Jugend- und Erwachsenenbildungseinrichtung im Vikariat Nord glaubten. Der damalige Generalvikar Erzb. Koadjutor Dr. Jachym, Vikariatsjugendseelsorger Dechant Franz Mantler und Pfarrer u. Rektor Josef Morgenbesser seien hier besonders erwähnt.
Auch wenn vorerst die neue Offenheit und die neuen Angebote sowie die ständige Ausbau- und Renovierungs-tätigkeit von verschiedenen Seiten etwas misstrauisch kommentiert wurden, grundsätzlich wurde das Bildungshaus nicht mehr in Frage gestellt. In Zusammenarbeit mit der Kath. Jugend, etlichen kirchlichen und vielen nichtkirchlichen Einrichtungen wurde das Leben im Bildungshaus immer offener und vielfältiger. Zu offen und zu vielfältig wie schon damals manche meinten und es entstand eine neue Bruchlinie . . . 

1981-1990, Peter Koren

© BH, Peter Koren
Dir. Peter Koren

50 Jahre Bildungshaus muss zum Anlass genommen werden, um der Kirche von Wien zu danken. Durch die Jahrzehnte ist viel Knowhow und Geld in die Bildung geflossen. Immer wieder wurde diese Förderung hinterfragt und bejaht. Mit der Gründung der Vikariate wurde das Bildungshaus Großrußbach unverzichtbarer Bestandteil des Vikariats Unter dem Manhartsberg.
Der Schwung des Konzils und der Wiener Diözesansynode erfasste auch das Bildungshaus. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bildungshauses wollten daselbst eine Atmosphäre schaffen, in der Kirche erlebt werden konnte, wie sie sein könnte. Die Bewegung für eine „Bessere Welt“ (Pater Lombardi) war hierbei Motivation und Anregung. In Ansätzen ist es gelungen.
Bildung wird nur dann „gut verdaulich“ wenn das rundherum stimmt. Neben gutem Essen ist das Wohlfühlen in Kursräumen und Zimmern notwendig. Pädagogische und didaktische Methoden sollten optimal verwirklicht werden können. Daher entschloss sich die Erzdiözese Ende 70 und Anfang 80 zu einem großzügigem Ausbau des Schlosses und der Errichtung eines Festsaales. Die notwendige Adaptierung des Gästetraktes ist jetzt im Gespräch.
Der Blick in die Zukunft sieht das Bildungshaus als Zentrum des Vikariates, als Ort der Begegnung und Verkündigung  und als Anlaufstelle für alle Suchenden.
(geschrieben zum 50 Jahr Jubiläum)

1991 - 1997, Mag. Georg Hartl

© privat, Georg Hartl
Mag. Georg Hartl

Auf Bewährtes aufbauen und gleichzeitig neue Wege suchen, darin sah ich die grundsätzliche Herausforderung für meine Leitungsaufgabe im Bildungshaus Großrußbach. Wie jeder Mensch seinen persönlichen Lebensweg ständig neu suchen und finden muss, ist ein Bildungshaus gefordert,  vorausschauend seine Aufgaben immer wieder neu zu sehen und zeitgemäß zu erfüllen. Die Besucher erwarten von der kirchlichen Erwachsenenbildung  zu Recht Anregungen und Hilfen bei ihrer Suche nach einem sinnerfüllten Leben.

Zu meinen wichtigsten Zielsetzungen gehörte es, die Bildungsarbeit im gesellschaftspolitischen und im religiösen Bereich weiter auszubauen. Veranstaltungen wie die „Weinviertelakademie“, Kommunal-politikerseminare oder Bauerntage wurden meist gut angenommen von den Weinviertlern. Die wertvollste Erfahrung war für mich, immer wieder  Teilnehmer/-innen zu erleben, die nach einer Bildungsveranstaltung zufrieden, vielleicht auch innerlich aufgewühlt oder mit neuem Tatendrang ausgerüstet, nach Hause gingen.

Sowohl für die Kirche des Vikariates als auch für den einzelnen Teilnehmer ist es wichtig, ein Stück Heimat zu haben im Bildungshaus. Auch die Administration, die Sorge um gute Verpflegung und Unterkünfte sowie um die Renovierung des Gästehauses waren daher für mich ein durchaus erfüllender Teil der Sorge um die Menschen.

Ich blicke dankbar zurück und wünsche der jetzigen Leitung und den Mitarbeiter/-innen viel Erfolg beim „Suchen und Finden.“

1997 – 1998, Mag. Lore Weisswasser

© privat, Lore Weisswasser
Mag. Lore Weisswasser

Der Mensch lernt selbst und ständig! Brauchen wir dann noch ein Bildungshaus? Um es vorweg zu nehmen, meine Antwort lautet JA!
Wir brauchen das Bildungshaus als Rahmen, der ein intensives Lernen im Sinn von ganz bei der Sache sein oder auf eine Begegnung einlassen können, ermöglicht. Weg von den alltäglichen Verpflichtungen erleben, wie spannend es ist, eigene Fähigkeiten und Potenziale zu entdecken und zu verstärken oder, wie tröstlich es ist, dass es andere Menschen gibt, die ähnliche Probleme und Krisen erleben und nach einem Seminar gestärkt bzw. ermutigt nach Hause gehen.

Dafür bietet das Bildungshaus Seminarräume mit fördernden Lernbedingungen; Zimmer als Rückzugs- oder Erholungsraum; Kurse, die Anstöße geben für die eigene Entwicklung und für Auseinandersetzungen mit Menschen und Themen; die Kapelle als Ort der gemeinsamen oder persönlichen Begegnung mit Gott; Verpflegung und Betreuung durch das Personal.
In 55 Jahren hat das Bildungshaus lebendige, erfüllte Zeiten aber auch Durststrecken, unterschiedliche pädagogisch-didaktische Konzepte und spirituelle Entwicklungen erlebt! Was ist der Kern des Bildungshauses, der über die Jahre hinweg gleich geblieben ist? Es ist das katholische Bildungshaus, das für die Menschen im Weinviertel (und darüber hinaus) als Ort der Besinnung und Weiterbildung, als Möglichkeit Kirche lebendig in der Gemeinschaft zu erleben, wichtig geworden ist. Wenn also das Bildungshaus vergegenwärtigt und ermöglicht, worum es beim Lernen und im Leben geht, erfüllt es seine ganz spezielle Aufgabe und ist unersetzbar!

1998-2007, Barbara Strobl

© BH, Barbara Strobl
Dir. Barbara Strobl

Die Arbeit der letzten Jahre war geprägt von Zahlen, Daten und Fakten. Im Umgang mit den immer weniger werdenden Kirchenbeitragsgeldern  sind wir durch die Diözesanleitung aufgefordert, Umstrukturierungen vorzunehmen  und Einsparungsmaßnahmen zu treffen. Umstrukturierung, Wirtschaftlichkeit und Auslastung  sind nicht nur Schlagwörter der heutigen Zeit sondern ist Realität  in unserer täglichen Arbeit im Bildungshaus. 

Die Entscheidung ein Qualitätsmanagementsystem einzuführen, war keine leichte aber eine wirkungsvolle. Darin sehen wir eine Herausforderung und Chance für unsere zukünftige Arbeit. Die Qualität unserer Dienstleistungen im Programmangebot, in der Infrastruktur, im Serviceangebot und in der Kompetenz der Mitarbeiter/innen ist uns wichtig, dahingehend wollen wir uns weiterentwickeln. 23 Jahre lang ist mein Arbeitsplatz im Bildungshaus. Viele Höhen und Tiefen konnte ich an diesem Ort erleben. Integriert in ein Team von Mitarbeiter/innen ist dieser Ort der Begegnung nicht nur Arbeitsplatz  für mich sondern auch ein Stück Heimat. Unzähligen Menschen durfte und darf ich begegnen. Das Bildungshaus Schloss Großrußbach  war und ist und soll auch für die Zukunft Ort der Begegnung und Zentrum umfassender Bildungsarbeit sein.

seit 2008, Dipl.-Päd. PAss. Franz Knittelfelder

© BH, Franz Knittelfelder
Dir. Dipl.-Päd. Franz Knittelfelder

Die letzten Jahre des Bildungshauses - besonders seit dem 50-Jahr-Jubiläum 2003 - waren geprägt von großen Projekten: die Renovierung des Zimmertraktes, die Festigung des Qualitätsmanagements im Haus, die Zertifizierung im Land NÖ und besonders die Umsetzung neuer und zeitgemäßer Inhalte. So hat sich das Team des Bildungshauses - geführt vom Leitungsteam (Dr. Matthias Roch als Geistlicher Assistent, Susanne Benold als Wirtschaftsleiterin und Franz Knittelfelder zuerst seit 2002 als Pädagogischer Leiter und seit 2008 als gesamtverantwortlicher Leiter des Hauses) - besonders um eine verstärkte öffentliche Präsenz bemüht. Neues Marketingkonzept und neue Kooperationen haben viele Projekte zum Erfolg geführt. Mit dem "Weinviertler Pilgerweg", dem "Weinviertler Glaubensweg", den vielen Ausbildungslehrgängen im Bereich "Hospiz" und dem Engagement in der inclusiven Erwachsenenbildung ist das Bildungshaus Schloss Großrußbach über die Landesgrenzen hinweg bekannt geworden.
Die Gründung des "Vereins der Freunde und Förderer des Bildungshauses" war ein weiterer wichtiger Schritt. Mit Obmann Hofrat Karl Litschauer und seinem Team bekam das Bildungshaus wertvolle Unterstützung.
Heute sind im Bildungshaus Schloss Großrußbach 16 Mitarbeiter/innen beschäftigt. Mehr als 450 Veranstaltungen werden jährlich hier abgewickelt und knapp 10.000 Seminarteilnehmer/innen freuen sich über das bunte und vielfältige Angebot des Hauses. Durch die tolle Infrastruktur liegt der Schwerpunkt der Seminartätigkeit natürlich bei mehrtägigen Angeboten wie Lehrgängen und längeren Seminaren. Daneben gibt es viele Vorträge, jährliche Musik- und Kabarettaufführungen und ein großes Engagement im kirchlichen Weiterbildungsbereich. Als "Haus des Vikariats" finden hier alle Sitzungen des pastoralen Vikariatsrates, der Dechantenkonferen und viele Fachausschüsse statt. Ein umfangreiches Weiterbildungsangebot unterstützt die Pfarrgemeinderät/innen und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der Pfarren im Weinviertel. Das Bildungshaus bietet auch optimale Rahmenbedingungen für Seminare und Veranstaltungen für Firmen und öffentliche Einrichtungen. Soweit es die Buchungslage zulässt können Gastveranstaltungen im Haus abgehalten werden. Ein gelungener Hausprospekt informiert über die Möglichkeiten.
In der Zukunft werden erfolgreiche Projekte wie der "Weinviertler Glaubensweg" oder die vielen Ausbildungen im Hospiz- und Trauerbereich natürlich weitergeführt. Der Schwerpunkt im "Internationalen Kreistanz" und das Engagement im "Interreligiösen Dialog" wird fortgesetzt. Aktuell arbeitet das Team rund um Bischofsvikar Dr. Roch am "Jakobsweg Weinviertel", der 2010 eröffnet werden soll.
Neue Projekte wie der Lehrgang "Märchen erzählen", die Geprächsgruppen für "Trauernde nach einem Suizid" oder Seminare für Menschen mit Behinderungen wachsen langsam. Hier gibt es eine gute und intensive Zusammenarbeit mit neuen Partner/innen wie zum Beispiel der Caritas.

Das Bildungshaus Schloss Großrußbach ist eine Einrichtung der Erzdiözese Wien

© Christelli, Leitungsteam mit Kardinal Schönborn
Kardinal Schönborn mit Wirtschaftsleiterin Susanne Benold und Dir. Franz Knittelfelder

(knittelfelder)


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